
Als Schüler krank zu sein ist mit das Schlimmste, was dir passieren kann. Denn sobald du nicht mehr am Unterricht teilnimmst, wird es schwierig, ihm zu folgen. Der Unterricht wird ja nicht angehalten, weil ein Schüler krank ist. Nein, es geht einfach weiter und wer krank zu Hause ist, muss das alles selbstständig nachholen. Nachholangebote der Schule gibt es normalerweise nicht. Bist du aber zu krank, um zur Schule zu gehen, bist du meistens auch zu krank, um den Stoff zu Hause gleich zu bearbeiten. Eine Verschnauf- und Genesungspause erhältst du als Schüler nicht. Ganz schön unfair, oder? Immerhin geht die Gesundheit doch vor.
So habe ich das in der Schule immer wieder erlebt und so ist es auch heute noch. Schüler schleppen sich lieber krank zur Schule, um nichts zu verpassen, als später schlecht auf die Klassenarbeit vorbereitet zu sein. Aber das System Schule bietet keine andere Wahl. Sonderbehandlungen für kranke Schüler gibt es selten. Eine Schonfrist, wenn man den ersten Tag wieder im Unterricht sitzt, ist auch nicht vorgesehen. Zwar sind die meisten Lehrer entgegenkommend und haben Verständnis dafür, dass ein kranker Schüler das neue Thema noch nicht richtig verstanden hat, aber deswegen gibt es trotzdem keinen Förderunterricht oder kostenlose Nachhilfe. Der Schüler ist also doppelt gestraft. Erst geht es ihm schlecht und dann muss er auch noch irgendwie selbst nachholen, was er aber alleine eben nicht versteht. Und dabei kann er doch gar nichts dafür, dass er krank war. Das passiert jedem mal. Auch Lehrer sind mal krank. Warum gibt es denn dafür an Schulen keine zusätzlichen Ausgleichsmöglichkeiten? Und ich spreche nicht von Nachschreibeterminen. Das ist zwar ganz nett, aber die nützen einem bloß dann etwas, wenn man bis dahin die Chance hatte, das Thema zu verstehen, also Unterricht erhalten hat.
Eine einfache und trotzdem unmögliche Lösung
Im Grunde ist die Lösung für dieses Problem ganz einfach. Schüler, die nicht zum Unterricht kommen konnten und Schwierigkeiten haben, etwas zu verstehen, dürfen bei Bedarf in einen zusätzlichen Förderunterricht gehen, der nach dem normalen Unterricht stattfindet. Dieser ist kostenlos und steht den Schülern jederzeit offen. Hier gibt es jemanden, der ihnen ein Thema erklärt und dabei hilft, dieses zu verstehen. So können sie nachholen, was sie versäumt haben. Sicher bedeutet dies zusätzlichen Unterricht, aber das ist noch immer besser als schlechte Noten, weil da etwas gar nicht verstanden wurde.
Das Problem ist, dass es dafür nicht genügend Lehrer gibt und dass eigentlich nicht nur kranke Schüler diesen Anspruch haben sollten. Jeder, der etwas nicht verstanden hat, sollte doch die Möglichkeit haben, kostenfreie Hilfe zu bekommen. Aber auch dafür gibt es nicht genügend Lehrer. Es sind ja schon nicht genügend da, um den normalen Unterricht zu gewährleisten. Wo sollen dann weitere Lehrer für zusätzlichen Unterricht herkommen? Dennoch halte ich diese Lösung für grundsätzlich sehr sinnvoll. Wenn ein Schüler zur Schule gehen muss, sollte er genau dort auch alles finden, um ausreichend lernen zu können. Er sollte aber nicht vom Unterricht eines bestimmten Lehrers abhängig sein oder schwer erkältet zur Schule kommen. Da braucht es eine faire Lösung, bei der nicht die Schüler am Ende die Verlierer sind.
*Damit man diesen Artikel besser lesen kann, nenne ich nicht immer alle Gender. Sofern ich nicht deutlich auf das Geschlecht hinweise, sind immer alle Personen einer Gruppe genannt. Egal, ob männlich, weiblich oder divers.